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Der freie Mensch

Filed under: allgemein — von Volksgenosse @ ´

Das Bewußtsein eines Menschen setzt sich zusammen aus der Summe aller seiner Vorurteile. Dies ist einer dieser pseudointelligenten Sätze, die Gutmenschinnen, Grüninnen und andere, die keine Ahnung haben, so von sich geben. Völlig unreflektiert, niemals darüber nachgedacht, einfach nur nachgeplappert. Lieber gut zitiert, als einen eigenen Gedanken verbrochen.

 

Und ja, wir sind alle Ausländer, fast überall. Richtig. Aber was lernen wir daraus? Wir müssen das einzige Land, in dem wir keine Ausländer sind, verteidigen, erhalten, beschützen und bewahren! Die Ausländer werden das nicht für uns tun, denn sie sind keine Einheimischen, für sie ist das hier keine Heimat, hier haben sie keine Wurzeln. Genau das besagt dieser Spruch, nur, leider, begreifen die Grüninnen nicht, was sie damit wirklich sagen.

 

Die Dummheit der Menschen ist unendlich, so wird gerne Albert Einstein zitiert. Nun, Albert Einstein war ein Mensch, oder? Und wer war der Mensch, den er am besten von allen einschätzen konnte, von dem er zweifelsfrei gewußt hat, daß er unendlich dumm ist? Richtig, er selbst! Und wer sich dieses Zitat zu eigen macht, sagt damit von sich selbst, daß er unendlich dumm ist – eben wie Einstein. Nebenbei, der Mann hat von sich selbst gesagt: Ich bin so dumm, so dumm!

 

Wo das steht, fragen Sie? Dafür gibt es Google! Ach, das ist eine unverschämte Empfehlung? Na gut, es steht im Almagest von Claudius Ptolemäus. Zufrieden? Nein? Welches Buch, welche Seite, welcher Absatz? Oh ja, Sie wollen ganz genau wissen, wo in einem Buch, das 18 Jahrhunderte vor Einstein geschrieben wurde, dieses Zitat steht? Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, Mitglied bei den Grüninnen zu werden?

 

Erinnern Sie sich noch an Herrn „Doktor“ Karl-Theodor von und zu Guttenberg? Oder an Frau „Doktor“ Annette Schavan? Den beiden, und anderen Politikern, wurde der dekorative Vorname Doktor aberkannt, weil sie ein wenig zuviel zitiert haben, ohne anzugeben, von wem. Genau wie Einstein, nebenbei, aber der hat der richtigen Partei angehört, da wird nicht nach Plagiaten geforscht.

 

Das Leben bietet Ihnen drei Schulen, anstatt hochtrabende Namen dafür auszudenken, nenne ich sie Grund-, Mittel- und Oberschule. Das hat nichts mit den Schulgebäuden zu tun, die Sie kennen, und schon gar nichts mit der Bildungs-Idiotologie, die in Merkeldeutschland praktiziert wird. In der Grundschule werden Sie an der Hand genommen und geführt, von Lernziel zu Lernziel. Das ganze Schulsystem, bis hin zum Abitur und zum Abschluß einer Lehre, basiert auf dieser Grundschule. In der Mittelschule bekommen Sie Bücher, aus denen Sie selbst Wissen erwerben sollen. Das ist die Gesellenzeit, in der Sie mit den Augen stehlen, wo Sie niemand mehr als Lehrling an der Hand nimmt, sondern Sie arbeiten läßt. Das ist das Selbststudium, das an der Universität gefordert ist. In der Mittelschule folgen Sie keinem Führer, aber immer noch gebahnten Wegen. In der Oberschule forschen und denken Sie selbst. Da gibt es keinen Führer, keine Karte, keine gebahnten Wege – da sind SIE es, der die Wege bahnen soll.

 

Sie können Ihr ganzes Leben in der Grundschule bleiben. Der Staat möchte sogar, daß Sie in der Grundschule verharren, sich immer schön an der Hand nehmen lassen, keinen einzigen Schritt in eigener Verantwortung unternehmen. Oh, das funktioniert wunderbar. Aufstehen, wenn der Wecker klingelt, frühstücken, zur Arbeit fahren, Arbeiten, Mittagspause, Arbeiten, nach Hause fahren, vor den Fernseher setzen, Bier trinken und ins Bett gehen. Das ist ein Lebensmodell, dem zahlreiche Menschen folgen.

 

In der Mittelschule wird es weniger gemütlich. Sie könnten auf Wissen stoßen, das man Ihnen vorenthalten will. Das Wissen ist nicht gefährlich, es schadet nicht dem Andenken Verstorbener, gefährdet nicht den öffentlichen Frieden, es ist nur schlicht und einfach unerwünscht. Der größte aller Nachteile dabei ist, daß Sie, einmal ungläubig geworden, nicht mehr zum wahren Glauben zurückkehren werden. Wer einmal den Kopernikus nachvollzogen hat, daß sich die Erde um die Sonne dreht, der ist nie mehr zu Ptolemäus und der Bibel zurückgekehrt, wonach es genau anders herum sei, allerhöchstens in Form eines Lippenbekenntnisses vor dem Inquisitionsgericht.

 

Diese Mittelschule muß kein hochgeheimes Wissen vermitteln. Kaufen Sie sich ein Buch über Gartenbau, recherchieren Sie darüber im Internet, bilden Sie sich aus eigenem Antrieb weiter – und schon sind Sie in jener Mittelschule. Da steht kein Lehrer mehr daneben und schaut zu, wie Sie Ihre Stachelbeeren anpflanzen. Am Ende gibt es auch keine Note, sondern Stachelbeeren – oder eben nicht.

 

Die letzte, geheimnisvollste aller Schulen, ist die Oberschule. Da lernen Sie durch Versuch und Irrtum, da erarbeiten Sie sich Ihr Wissen. Jetzt sind Sie auf der Stufe des Meisters angelangt, sicher im eigenen Können, und auf der Basis dieser Sicherheit bereit, ins Unbekannte vorzustoßen, Neues, nie Geahntes hervorzubringen. Hierbei zeigt sich das meisterliche Können, im kühnen Entwurf, nicht im gesellenhaften Nachbauen des meisterlichen Plans.

 

Da tritt auch gerne der Spieltrieb hinzu. Vor allem Männer und technische Geräte sind in dieser Beziehung eine gute Kombination, denn wozu die dämliche Gebrauchsanleitung lesen, deren gutes Koreanisch in schlechtes Englisch und daraus von einem Computer in unverständliches Deutsch übersetzt worden ist? Also nur zu, munter darauf losgeschaltet! Nein? Also ich lese die Gebrauchsanleitungen schon alleine aus Vorfreude durch.

 

Die Oberschule hat heute ein Akzeptanzproblem. Wer aus drei Büchern ein viertes zusammenstellt, also ausschließlich fremde Gedanken nachvollzieht, kritisiert, gewichtet, der gilt als klug und belesen. Wer sich jedoch hinstellt und selbst denkt, ohne seitenlange Verzeichnisse, wo er überall abgeschrieben hat, wird skeptisch betrachtet. Die kopernikanische Wende trat jedoch nicht deshalb ein, weil Kopernikus zum fünfhundertsten Mal bei Ptolemäus abgeschrieben hat, sondern weil er selbst den Himmel beobachtet, selbst gerechnet und seine eigenen Gedanken niedergeschrieben hat.

 

Ich habe als freier Mensch jedes Recht, selbst zu denken, ob es nun Anderen paßt oder nicht. Und der Idiotie, daß die Dummheit der Menschen unendlich sei, setze ich entgegen, daß es keinen Menschen gibt, der so dumm und unfähig ist, als daß ich nichts von ihm lernen könnte. Allerdings traue ich mir zu, selbst auszuwählen, was ich lerne.

 

Wir bewegen uns auf allen drei Schulen zugleich, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung. Unsere Neugier und Risikobereitschaft mag in der Jugend höher ausgeprägt gewesen sein als heute, doch ein gewisser Rest ist uns verblieben. Der klischeehafte Prolet, Hartz-IV-Empfänger, den ganzen Tag im Jogging-Anzug vor der Glotze, mit dem Bierkasten neben dem Fernsehsessel, mag 96% seiner verbliebenen Lernaktivitäten in der Grundschule zubringen, 3% in der Mittelschule und nur 1% in der Oberschule, aber auch er entwickelt sich weiter, mag es auch noch so langsam vorangehen.

 

Was kann man von einem solchen Menschen lernen? Oh, ganz einfach: das, was man nicht machen sollte: sich gehenlassen, zum Treibgut auf dem Strom des Lebens werden. So, wie von der Bundeskanzlerin jede Frau lernen kann, wie man sich nicht anziehen oder frisieren sollte. Zu lernen, das Falsche zu vermeiden, ist ebenso wichtig, wie zu lernen, das Richtige zu tun.

 

Das angebliche Ideal einer Demokratie ist der mündige, informierte, sich für seine Interessen einsetzende Bürger. Ein mündiger, informierter Bürger, der sich für seine eigenen Interessen einsetzt, ist jedoch schwer zu regieren. Gerade für Parteipolitiker, die in anderen Berufen versagt und als letzten Ausweg die Politik gewählt haben. Der Parteifunktionär muß für seine Partei funktionieren, er darf keine eigenen, von der Parteilinie abweichenden Ideen haben. Für den Parteifunktionär ist ein idealer Bürger jemand, der nicht nur keine eigenen Ideen hat, sondern auch noch unfähig ist, diese auszudrücken. Der Funktionär braucht den Bürger als Stimmvieh an der Wahlurne, als Steuerzahler und als Befehlsempfänger, als Masse, über die verfügt werden kann.

 

Das ist bei jeder Partei so, der einstige Begriff des Totalitären hat in der heutigen Zeit seine Bedeutung verloren. Was Faschisten, Nationalsozialisten oder Kommunisten einst eingeführt hatten, die Vereinnahmung der Menschen von der Wiege bis zur Bahre, praktizieren heutzutage alle Parteien, ob Grüninnen oder die christenfeindlichen Unionen. Von der Kindertagesstätte bis zur Ganztagsschule sollen die Kinder den Eltern entzogen und dem Staat überlassen werden. Der einstige Umzug mit Hakenkreuz- oder Kommunisten-Fahnen unterscheidet sich nicht wesentlich von den heutigen „Hinterdeppendorf ist bunt“-Auftrieben. „Stolpersteine“ verlegen, dient nicht dem Andenken irgendwelcher Verstorbener, sondern ist ein einträgliches Geschäft, eine Alibi-Veranstaltung, betrieben von Leuten, deren Vorgänger im Amt Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft verliehen haben.

 

Die gleiche „Zivilcourage“, mit der früher Juden verjagt wurden, verjagt heute „Nazis“. Derselbe Herdentrieb, der einst Orte für „judenrein“ erklärte, setzt heute „Zeichen gegen Rechts“. Das Einzige, was dieses Verhalten wirklich aufzeigt, ist, daß die Veranstalter in den vergangenen hundert Jahren nichts dazugelernt haben. Das beweist, daß die sogenannte Demokratie es nicht geschafft hat, sich des staatlichen Totalitarismus zu entledigen. Es ist ja auch viel bequemer, das Volk zu verhetzen, als es durch die Wahrheit zum Denken zu erziehen.

 

Leider ist für diesen Absatz eine etwas deftigere Wortwahl nötig. Stellen Sie sich eine Schafherde vor, bei der alle zwischen der Scheiße nach Grashalmen suchen. Und bei der jedes Schaf dem Arschloch des vor ihm laufenden Schafes folgt. Genau das ist die Herdenperspektive, die von einer minderbefähigten Funktionärs-Oberschicht gewünscht wird. Wenn auch nur ein Schaf den Kopf hebt, anstatt blind dem führenden Arschloch nachzulaufen, stockt die halbe Herde. Wenn nur ein Schaf den Kopf hebt, um sich eine saubere Weide zu suchen, stört sein Trieb die anderen, die genüßlich in der Scheiße fressen.

 

Aus genau diesem Grund sind Querdenker so unbeliebt. Es gibt dafür zwei Begriffe, der eine ist „Andersdenkender“, der andere „Störfaktor“. Ja, es gibt Politiker, die als „Querdenker“ bezeichnet werden. Doch das sind Parteifunktionäre wie alle anderen auch, aufgestellt und auf ihre Pöstchen gehoben von derselben Partei, die sonst keine Meinungsabweichler zuläßt. Diese offiziellen Querdenker sind bewußt als solche arrangierte Politiker, die kleinen Feigenblätter, welche die Blöße des totalitären Parteienstaates verdecken sollen. Alibi-Meinungsträger, die Vielfalt heucheln, wo nur Einfalt herrscht.

 

Wirkliche Querdenker bleiben in Parteien ganz unten, denn würden sie aufsteigen, wichtige Funktionen übernehmen, schadeten sie die Partei. Die Regierungsabgeordneten Bosbach, Gauweiler und Schäffler haben zwar Kritik geübt, aber keinerlei Erfolg damit erzielt. Im Endeffekt haben sie Kritik kanalisiert und damit verhindert, daß daraus eine ernstzunehmende Bewegung entsteht. Im aktuellen Wahlkampf erleben wir eine gleichartige Inszenierung, mit der Partei „Alternative für Deutschland“, mit Leuten, die in den christenfeindlichen Unionen nicht so recht nach oben gekommen sind. Diese Partei kanalisiert wie gehabt die Kritik. Hat sie keinen Erfolg, so hat sie wenigstens anderen Kleinparteien die Stimmen weggenommen, gelangt sie in den Bundestag, mausert sie sich zur fünften Kolonne der christenfeindlichen Unionen, zur Steigbügelhalterin der Merkelstaates.

 

Eigenständiges Denken wird nirgendwo gelehrt, denn die meisten Lehrer sind während ihres ganzen Lebens den ausgetretenen Pfaden gefolgt, die Andere vor ihnen angelegt haben. Im akademischen Lehrbetrieb ist nicht anders. Ob Diplom, Magister oder Master, Sie müssen das vortragen, was Sie zuvor gelernt haben, eben den Prüfungsstoff. Ihre Promotion sollte weitgehend mit den Ansichten des Doktorvaters und des Instituts übereinstimmen, sonst wird das schwer mit dem Doktortitel. Bei der Habilitation prüfen Ihre künftigen Kollegen, die gar nicht begeistert sind, wenn Sie ihnen nachweisen, daß sie allesamt weltfremde Idioten sind. Auf den Lehrstuhl werden Sie nur berufen, wenn Ihre Reputation stimmt. Als Professor, Beamter auf Lebenszeit, dürfen Sie vielleicht ein paar eigene Gedanken wagen, nur fehlen Ihrem Lehrstuhl dann bald die Forschungsgelder und veröffentlicht wird auch nichts mehr.

 

Eigenständig denken können Sie nur als Privatmensch. Beruflich gibt es eine kleine Nische in Forschung und Entwicklung, aber da laufen Sie am Gängelband. Wenn Ihr Arbeitgeber einen neuen Hustensaft haben möchte, brauchen Sie über Krebsmittel nicht nachzudenken, Sie müssen Ihre ganze Kreativität und Genialität auf den Hustensaft konzentrieren.

 

Ganz um das eigenständige Denken werden Sie nicht herumkommen, denn das Leben hält Situationen bereit, in denen Sie denken und eine Lösung finden müssen. Wenn das Haus um Sie herum in Flammen steht, hilft es wenig, sich hinzusetzen und auf göttliche Eingebungen zu warten. Sollte Ihr Fernseher noch laufen, wird Ihnen auch Dieter Bohlen nicht sagen, was Sie tun sollen. Damit fällt die Grundschule aus. Und selbst, wenn das „Handbuch der Überlebenstechniken“ griffbereit neben Ihnen liegt, ist es keine gute Idee, darin erst einmal nachzuschlagen. Die Mittelschule hilft Ihnen nicht weiter. Sie brauchen die Ansätze der Oberschule. Fenster oder Tür? Wo brennt es weniger, wo kommt kein Rauch her? Nutzt Ihnen das Wasser in der Gießkanne für die Zimmerpflanzen etwas? Sie müssen handeln, tun Sie das Falsche, haben Sie verloren. Tun Sie gar nichts, haben Sie ganz sicher verloren. Also?

 

Das eigenständige Denken verpflichtet sie nicht, zu allem und jedem eine Meinung zu haben. „Die gute Botteram“ war eine Margarine-Marke, die heute nicht mehr produziert wird. Ich habe sie nie probiert, ich kenne nur den alten Werbespruch. Bis zum Beweis des Gegenteils wird es „die gute Botteram“ bleiben, warum sollte ich mich umgewöhnen, für etwas, das nie mehr wichtig für mich sein wird? Ich habe das Recht, eine fremde Meinung zu akzeptieren, oder auch gar keine Meinung zu einem Sachverhalt zu haben. Soll die Eiche in der Marconi-Straße stehen bleiben? Wo, zum Teufel, ist die Marconi-Straße? Ist die Eiche alt und morsch, ein Verkehrshindernis, halb verbrannt? Ich weiß es nicht, mir fehlen die Informationen und das Interesse, mir die Informationen zu verschaffen. Nach meinem Gefühl sollte der Baum stehen bleiben, aber ohne den Hintergrund kann ich nur „unentschieden“ ankreuzen.

 

Ganz abgesehen davon: Ich wohne nicht in der Marconi-Straße. Ich muß weder mit der Eiche leben, noch zuschauen, wie sie gefällt wird. Wozu also sollte ich mich einmischen? Das ist die Angelegenheit der Betroffenen, nicht die meine! Es ist deren Freiheit, darüber zu bestimmen, und griffe ich ein, beschränkte ich deren Freiheit zur eigenen Entschei-dung

 

Deshalb sind mir auch Meinungsumfragen ein Greuel. Soll Griechenland die Eurozone verlassen? Nein, verdammt, Deutschland soll die Eurozone verlassen, dann ist es mir egal, ob die Griechen mit Euro, Drachme oder Käselaiben bezahlen. Soll Angela Merkel nötigenfalls mit einer großen Koalition weiterregieren? Hey, seit wann „regiert“ Merkel? Davon habe ich noch nie etwas gemerkt! Aber ich kann mir ein künstlerisches Arrangement aus Merkel, einem Kälberstrick und einem Laternenpfahl vorstellen… Dummerweise kann ich das nirgendwo ankreuzen oder aufmalen.

 

Eine eigene Meinung läßt sich nicht in Ja/Nein-Kategorien pressen. Alle Umfragen, die eine Meinungspräferenz vorgeben, verfälschen letztlich die öffentliche Meinung. Fragen Sie doch mal linksgrüne Pädagogen, ob sie für mehr Zuwanderung sind. Stellen Sie die Frage richtig, dann bekommen Sie mindestens 80% Ablehnung. Ehrlich. Wie das geht? „Sind Sie für eine verstärkte Zuwanderung unterqualifizierter Muslime, auch wenn Sie deswegen verpflichtet werden, zehn Stunden pro Woche unentgeltlich Deutschunterricht für Zuwanderer abzuhalten, und zusätzlich Ihr Gehalt zugunsten der Sozialhilfe für Zuwanderer um 20% gekürzt wird?“

 

Solange sie nichts leisten müssen, wissen Politiker nicht nur alles, sondern das auch noch besser. Jürgen Trittin ist so ein Kandidat, der freizügig kritisiert, jedoch Jahre gebraucht hat, um ein vernünftiges Dosenpfand hinzupfriemeln, trotz eines ganzen Ministeriums voller erfahrener Beamter. Da gibt es einen alten Satz aus CDU-Kreisen: Wenn die SPD in der Sahara regiert, passiert drei Jahre lang nichts, dann wird der Sand knapp. Nun, die Grüninnen regieren derzeit Baden-Württemberg, das einstmals reiche „Musterländle“. Mittlerweile ist dort das Geld knapp, die Schulden steigen ebenso wie die Haushalts-Defizite. Winfried Kretschmann hat versagt.

 

Ich will damit nicht sagen, daß ich es besser könnte. Ich brauche es nicht einmal besser zu können, denn ich kandidiere nirgendwo. Ich strebe kein Amt an, das ich nicht fähig bin auszuüben. Das ist eine der Lektionen, die einem das Leben auferlegt: die Einsicht in das, was man nicht kann. Ich bevorzuge, ein freier Mensch zu bleiben, mich den eigenen Gedanken hinzugeben, ohne die Pflichten und Lasten eines Amtes. In einem Amt hätte ich nur zwei Möglichkeiten: Entweder das Amt ernst nehmen und alles tun, um dem Amt gerecht zu werden, woraus folgt, daß ich für nichts sonst mehr Zeit habe, oder es merkelhaft auszuüben, also das Amt schleifen lassen und nur gelegentlich per Zuruf etwas zu regeln.

 

Für ein Problem eine Lösung zu suchen, geht entschieden einfacher, wenn man selbst nicht Teil des Problems ist. In vordemokratischen Zeiten wurden in die Ämter Fachleute gesetzt, die das, was sie tun sollten, aus langen Jahren der Arbeitserfahrung heraus gekannt haben. Im Prinzip hatten diese Minister Grund- und Mittelschule als Vorbereitung durchlaufen, ehe sie die Oberschulaufgabe als Minister übernommen haben. In der Demokratie sind die Minister Parteifunktionäre, deren Grund-, Mittel- und Oberschule darin bestand, wie man es schafft, in einer Partei ganz weit nach oben zu kommen. Auf das Ministeramt wurden sie nicht im Geringsten vorbereitet. Wie sollen da gute Ergebnisse erzielt werden? Sie haben keine Lösung, sie sind Teil des Problems – und oft genug das Problem selbst!

 

Mit Glück bekommen wir in der Demokratie brauchbare Minister-Darsteller. Thomas de Maizière ist dafür ein gutes Beispiel. Der Mann hat wie der perfekte preußische Beamte ausgesehen, bis überraschend ein Problem aufgetaucht ist, daß ihn als unfähig entlarvt hat. Solange ein Schiff in ruhigen, sicheren Gewässern fährt, genügt es, wenn der Kapitän in seiner Uniform gut aussieht. Jedoch wird kein Schiff nur in ruhigen, sicheren Gewässern fahren, und dann ist nicht gefragt, wie gut der Kapitän aussieht, sondern wie gut er das Schiff zu führen weiß. In den 64 Jahren BRD hatten wir viele schmucke Kapitäne im Regierungskabinett, doch kaum einen einzigen, der wirklich das Schiff zu führen in der Lage gewesen war.

 

Ein freier Mensch denkt selbst, und er läßt sich in diesem Denken nicht beirren. Konventionen wurden eingeführt, um Denkblockaden zu errichten. Insofern ist freies Denken anarchisch. Bei diesem Denken gilt nur ein einziges Gesetz, und zwar das eine, universelle, das alle Gesetzbücher der Welt in einem einzigen Satz zusammenfaßt: Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem Andern zu. Das ist der kategorische Imperativ eines Immanuel Kant, das ist die Freiheit des Andersdenkenden einer Rosa Luxemburg, das ist der Satz, daß die eigene Freiheit da endet, wo die Freiheit des Anderen anfängt. Und sogar das ganze Christentum ist darin enthalten: Liebe (Respektiere) deinen Nächsten wie dich selbst!

 

Das eigene Denken erschließt ganze Universen. Nur die Grenzen, die Sie sich selbst setzen, beschränken Sie wirklich. Das Rüstzeug für diese Gedankenreisen besteht aus ein wenig Logik, ein paar Annahmen, einer Prise Phantasie und – Ihnen selbst. Heben Sie in der Schafsherde den Kopf und schauen Sie, wohin die Reise geht. Schafe werden geschoren und geschlachtet, wollen Sie dem ach so guten Hirten wirklich unbedingt folgen? Das gute Futter ist nur ein paar Schritte entfernt, nicht mitten in der Herde.

 

Äußere Ketten kann Ihnen ein Fremder abnehmen, doch damit sind Sie noch lange nicht frei. Innere Ketten kann Ihnen niemand anlegen und niemand abnehmen, nur und ausschließlich Sie selbst. Wenn Sie sich nicht die Freiheit zu denken nehmen, wird sie Ihnen keiner schenken. Anders ausgedrückt, als Schaf geboren zu werden und in der Herde aufzuwachsen, ist Schicksal. Aber ein Schaf zu bleiben und der Herde zu folgen, ist eine persönliche Entscheidung. Selbst wenn Ihnen gar nichts an der Freiheit liegt, sollten Sie sich zumindest bewußt sein, daß Sie selbst es sind, der sich für die Herde entschieden hat. Die Herde bietet Gesellschaft, Futter und Schutz, wenn Ihnen das wichtiger ist als die persönliche Freiheit, dann dürfen Sie sich sogar ganz bewußt dafür entscheiden, der Herde zu folgen.

 

Eine totale Freiheit ist heute beinahe unmöglich. Der mittelalterliche Einsiedler, der fern allen Menschen im tiefen Wald nur Gott nahe sein wollte, ist dafür ein Modell. Wir leben in Abhängigkeit zu unserer Umwelt, ob wir Schuhe kaufen oder Lebensmittel, ob wir Strom nutzen oder mit dem Auto fahren. Zeitung, Fernsehen, Internet – wir benutzen die Informationskanäle, die uns die moderne Welt bietet. Der Einsiedler hat schon nichts mehr von dem erfahren, was auch nur zehn Kilometer entfernt von ihm passiert ist. Er mag dadurch der Pest entgangen sein oder einem Kriegshaufen, doch um den Preis, daß es keine Hilfe gegeben hat, sollte er sich ein Bein brechen. Die totale Freiheit ist immer die Freiheit von Schutz und Hilfe, sollte ein Bär den Einsiedler besuchen, war er diesem Teil der Natur ausgeliefert.

 

Die totale Freiheit gibt es nicht, doch für fast jeden von uns gibt es mehr Freiheit, als wir es uns gemeinhin vorstellen. Der Schritt in die Freiheit ist ein Schritt der Selbstbefreiung. Wagen Sie es, anders zu sein, wagen Sie es, selbst zu denken! Dieses Abenteuer ist unbezahlbar, da für Geld nicht zu kaufen. Was Sie denken sollen? Um Gottes Willen, glauben Sie wirklich, darauf gebe ich Ihnen eine Antwort? Sie sollen doch gerade Ihren eigenen Weg suchen, jenseits des kartierten Geländes! Ich kann Ihnen also gar keine Antwort geben, weil ich das selbst nicht weiß.

 

Die Gedanken sind frei – und wer sich in seinem Denken nicht beschränken läßt, erhält als Lohn für seine Mühen die persönliche Freiheit.

Michael Winkler

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