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Ruft der Muezzin in Schweden bald öffentlich zum Gebet auf?

Filed under: Multikulti — von Volksgenosse @ ´

In ganz Schweden könnten bald die Gebetsaufrufe von Muezzin erklingen.
Foto: * RICCIO / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

 

Traditionell ruft der Muezzin in islamischen Ländern fünfmal am Tag zur Durchführung des Gebets von einem Minarett herab. Im Regelfall geschieht das durch einen Lautsprecher, damit möglichst alle Gläubigen den Aufruf hören können. In europäischen Ländern ist dieser Vorgang heftig umstritten, vielmehr noch als der Bau einer Moschee selbst. Die Menschen sehen in dem öffentlichen Gebetsruf eine beträchtliche Lärmbelästigung. Manche empfinden eine Art von Entfremdung und argumentieren, dass der Ruf des Muezzins den Machtanspruch des Islam über die christlich angestammte Kultur und Tradition darstelle.

Nichtsdestotrotz kommen immer mehr Gerichte in Europa zu dem Entschluss, dass der Aufruf zum rituellen Pflichtgebet als Bestandteil islamischer Religionsausübung zu sehen ist. Mit Urteil vom 13. Dezember 2010 hat beispielsweise das Verwaltungsgericht Stuttgart entschieden, dass die „Verkündigung der muslimischen Botschaft durch den Muezzin-Ruf vom Minarett nicht anders als kirchliches Glockengeläut zu beurteilen“ sei. Dementsprechend könne die negative Bekenntnisfreiheit Einzelner dem Ruf des Muezzins nicht entgegengehalten werden.

Schweden steht vor landesweitem Präzedenzfall

In Schweden wird demnächst ebenfalls eine richtungsweisende Entscheidung erwartet. Schon jetzt hat eine Moschee in Stockholm die Genehmigung erhalten, das Freitagsgebet öffentlich mittels Muezzin-Ruf anzukündigen. Eine Mehrheit der Mitglieder des Stadtplanungsausschusses im südlichen Stockholmer Vorort Botkyrka hob am 25. September dieses Jahres das seit 1994 bestehende Verbot der islamischen Gebetsrufe auf und ebnete damit den Weg für den Muezzin-Ruf an der Spitze des 32 Meter hohen Minaretts einer türkischen Moschee im Stadtbezirk Fittja.

Die Angelegenheit musste zur Abstimmung gebracht werden, nachdem Ismail Okur, der Vorsitzende der Botkyrka Islamic Association, Anfang das Jahres eine Petition an die Stadt richtete, um öffentliche Gebetsaufrufe von der Moschee zu ermöglichen. In einem Interview mit der schwedischen Zeitung Dagen erklärte Okur, dass es die älteren Generationen der muslimischen Immigranten „nicht gewagt“ hätten, das Problem anzusprechen. Er hingegen repräsentiere die „neue Generation“, die entschlossen sei, „ihr Recht auf Religionsfreiheit“ in Schweden durchzusetzen. „Wir haben unser ganzes Leben in Schweden gelebt. Wir haben die Steuern bezahlt. Wir sind vorbildliche Bürger. Wir haben Schweden eine Menge gegeben. Jetzt wollen wir ein wenig zurück zu bekommen. Jetzt wollen wir Religionsfreiheit haben“, meinte Okur.

Andere Moscheen wollen nachziehen

Gegenüber einem öffentlichen Radiosender sagte Okur, dass es das anfängliche Ziel war, eine Erlaubnis im Zusammenhang mit dem Freitagsgebet zu erhalten. „Es fühlt sich großartig an, dass wir das durchsetzen konnten“. Dagen zufolge will Okur aber nicht ausschließen, dass der Muezzin in Zukunft sieben Tage die Woche zum Gebet aufruft. „Wir müssen irgendwo anfangen“, sagte er.

Die Entscheidung der Planungskommission muss jetzt noch vom Vorstand des Stadtrates am 25. Oktober abgesegnet werden. Sollte dieser ebenfalls zustimmen, darf die Moschee mit ihren öffentlichen Gebetsrufen sofort beginnen. Die Entscheidung ist von besonderer Bedeutung, weil sie einen Präzedenzfall für alle anderen 200 Moscheen in Schweden darstellt. Imam Abdul Rashid Mohammed von der Göteborg-Moschee hat bereits deutlich gemacht, dass seine Gemeinde folgen wird, wenn Botkyrka die Zustimmung bekommt.

Offene Rechtsfragen und Petition von Islamkritikern

Unklar ist aber die Rechtslage. Die lokalen Gemeindevorschriften regeln, dass „Informationen, Werbebotschaften, Propaganda oder andere Nachrichten an Personen im öffentlichen Raum gerichtet, nicht über Lautsprecher oder andere solche Geräte ohne polizeiliche Genehmigung verbreitet werden dürfen“. Allerdings sind Juristen der Meinung, dass die örtlichen Gesetze nicht die Redefreiheit beschränken dürfen und religiöse Einrichtungen ohnedies keine Genehmigung benötigen. Nur im Falle einer übermäßigen Lärmbelästigung dürfen die Behörden einschreiten.

Unterdessen ruft die national-konservative Wochenzeitung Dispatch International des prominenten EU-Kritikers Lars Hedegaard auf, eine Petition gegen den muslimischen Gebetsaufruf zu unterzeichnen, die an die zuständigen Behörden weitergeleitet werden soll. „Wir sind keine Dhimmis (Ungläubige, Anm. d. Red.), die sich unter einer Ideologie beugen, die jeden Ort auf der Erde verwüstet hat, wo immer sie ihren Fuß hinein gesetzt hat, die letzten 1400 Jahre lang“, heißt es unter anderem in dem Petitionstext.

unzensuriert.at

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