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Deutscher Hartz-IV-Pirat lässt Spenden für sich sammeln

Filed under: allgemein — von Volksgenosse @ ´

Für Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader wird es eng. Mit einer
Spendensammlung in den eigenen Reihen sorgt er für großen Unmut.
Foto: bastianhaas / flickr (CC BY-SA 2.0)

Johannes Ponader ist Autor, Regisseur, freier Schauspieler, Spielpädagoge  sowie Dozent in den Bereichen Schauspieltraining und Selbsterfahrung. Eigentlich genügend Betätigungsfelder, um sich seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren zu können, sollte man meinen. Doch der neu gewählte politische Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland lebte bis vor kurzem überwiegend von Sozialhilfe. Bevor er sich mit seinem Brötchengeber, der staatlichen Bundesagentur für Arbeit, öffentlichkeitswirksam überwarf, weil er die „Gängelung durch die Jobcenter“ nach Bekanntwerden seines Falles nicht mehr länger ertrug, bezog Ponader ein arbeitsloses Grundeinkommen von 1000 Euro im Monat.

Ganz in seinem Sinne, denn der sandalentragende „Gesellschaftskünstler“ ist als begnadeter Kämpfer für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) bekannt. In einem Fernsehauftritt bei Günther Jauch manifestierte der 35-Jährige seine Utopie vom selbstfüllenden Bankkonto: Jeder soll ein festes Monatseinkommen bekommen, wer mehr Geld braucht, muss arbeiten, darf die staatliche Stütze aber behalten.

Spenden statt Sozialhilfe für den „Gesellschaftsveränderer“

Die Laissez-faire-Mentalität gefiel nicht jedem. Besonders die Bundesagentur für Arbeit kritisierte den öffentlichen Auftritt Ponaders scharf: „Sozialleistungen sind für Bedürftige gedacht, nicht für junge Lebenskünstler mit 1,0-Abitur und Studium“, ärgerte sich Vorstandsmitglied Heinrich Alt und stellte in den Raum, die Nebeneinkünfte des Piraten auf den Hartz IV-Satz anzurechnen. Das gefiel dem Oberpiraten ganz und gar nicht. „Ich werde vom Sozialsystem heftig hinterfragt, weil ich mich politisch engagiere und trotzdem Sozialleistungen beziehe“, sagte er dem Nachrichtenmagazin Spiegel. „Das ist eine extreme Entartung des ganzen Systems.“ Gebeugt vom massiven öffentlichen Druck und dem seiner Partei erklärte Ponader dann aber, künftig doch keine Sozialleistungen mehr beziehen zu wollen.

Deshalb sammeln nun Parteifreunde Geld für ihn. Nach dem sogenannten „Crowdfunding“-Prinzip sollen einzelne Piraten durch regelmäßige Kleinspenden ein Sockeleinkommen von 1000 Euro pro Monat für Ponader bereitstellen. Dieses kann er abrufen, um seine anderweitigen Einkünfte als Freiberufler entsprechend aufzustocken. Etwaige Überschüsse würden an die Partei zurückfließen und zur Finanzierung von Pressearbeit oder PC-Infrastruktur verwendet, heißt es auf der entsprechenden Seite der „Piratenwiki“. Bis dato (Stand: 30. August 2012) gibt es Spendenzusagen in Höhe von 833,37 Euro. Die Unterstützer Ponaders begründen ihr Vorgehen damit, dass in Presse und Talkshows derzeit mehr die persönlichen Lebensumstände des Geschäftsführers Beachtung fänden als die Themen, die die Piraten bewegen. „Wir wollen Johannes hören, wenn er gewohnt locker, sachlich und ruhig piratige Positionen zu Grundeinkommen, Urheberrecht und Demokratieverständnis vertritt“, heißt es.

Heftiger innerparteilicher „Shitstorm“

Ponader selbst findet die Aktion gut. Er verspricht, auch weiterhin außerhalb der Partei Gelegenheitsjobs nachzugehen und das neue Sockeleinkommen so wenig wie möglich in Anspruch zu nehmen. Doch für Besänftigungsversuche scheint es jetzt schon zu spät. Innerhalb der Piratenpartei steigt der Druck auf den politischen Geschäftsführer. Tenor der Kritik: Seine persönliche Lebenssituation werde eins zu eins auf die gesamte Partei übertragen, was den Höhenflug der jungen Bewegung massiv gefährde. Der bayrische Pirat Stefan Körner, Chef des mitgliederstärksten Landesverbandes, forderte Ponader gegenüber Spiegel Online ungewohnt deutlich zu einer „Kurskorrektur“ auf. „Es entsteht der Eindruck, Johannes Ponader gehe es nicht um uns alle als Piraten, sondern um seine persönliche Agenda. Das schadet unserer gesamten Außenwirkung.“

Viele in der Partei formulieren ihren Unmut weniger sachlich. Man sei „kein Ponader-Hilfs-Verein“, „Arbeite doch bei McDonald’s, du erwürgst die Partei mit deinem Quatsch.“ oder „arbeitsscheuer Privilegienritter“, lauten die teils heftigen Vorwürfe. Eine Gruppe anonymer Piraten hat sich zu der Initiative „Jobsuche für Johannes Ponader“ zusammengeschlossen. Sie fordert ihn zum Rücktritt auf, sollte der politische Geschäftsführer an seiner umstrittenen Spendenaktion festhalten. Auch das Internet-Kollektiv Anonymous bedauert die „lächerliche Aktion“ Ponaders. Dieser verrate damit die „langjährige Arbeit der Parteibasis“. Der Lebenskünstler selbst will sich zurzeit nicht zu dem Thema äußern.

unzensuriert.at

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