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Jud Süß und die NSU

Filed under: allgemein — von Volksgenosse @ ´

Mit einer Geschichte um Geld und Macht sind die Nibelungen-Festspiele in Worms gestartet. Mit der Aufführung will Intendant Dieter Wedel den jüdischen Bankier und Politikberater Joseph Süß Oppenheimer, der im 18. Jahrhundert zum Tode verurteilt wurde und am Galgen endete, in ein anderes Licht der Öffentlichkeit rücken oder treffender gesagt Oppenheimers „Image“ aufpolieren. Was Joseph Süß Oppenheimer mit Worms und den Nibelungen zu tun hat, bleibt auch dieses Jahr im Verborgenen.

Zitat Eckhard Fuhr: Als wären die Nibelungenfestspiele eine Zweigstelle der Bundeszentrale für politische Bildung: Dieter Wedel inszeniert in Worms „Das Vermögen des Herrn Süß“

Diesmal spielt Dieter Wedels Neuauflage nicht länger in der Barockzeit, sondern in den 1930er Jahren. Das Stück heißt nun „Das Vermögen des Herrn Süß“

Wedel will nach eigenem Bekunden mit seiner neuen Fassung der Vorjahresaufführung dem Publikum einen Politthriller mit Bezügen zur Schuldenkrise und der Entdeckung der sogenannten Terrorzelle NSU bieten. Welche Rolle der Verfassungsschutz in Wedels Aufführung spielt, bleibt ungewiss. Eventuell hat er ja das Drehbuch geschrieben? Auf der Bühne vor dem Wormser Dom werden bekannte Schauspieler wie Anja Kruse, Marie Zielcke, Michael Lesch und Walter Plathe auftreten.

Wer war Joseph Süß Oppenheimer?

Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer (kurz Joseph Süß Oppenheimer) 1698 in Heidelberg geboren, wuchs in einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf. 1713 bis 1717 unternahm er Reisen nach Amsterdam, Wien und Prag. Joseph Süß Oppenheimer begann sich seinen Lebensunterhalt in der Pfalz als Privatfinanzier zu verdienen; auch das Eintreiben von Schulden gehörte zu seinen ersten Tätigkeiten. Mit der Vergabe von Krediten an verschuldete Adlige stieg Joseph Süß Oppenheimer gesellschaftlich auf. Joseph Süß Oppenheimer sprang immer dann ein, wenn Banken sich weigerten, die Geldsuchenden zu finanzieren. Seine Kredite waren mit einem enormen Zins versehen– man könnte auch von Wucher sprechen.

Bei einer Heiratsvermittlung im Auftrag des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg lernte Joseph Süß Oppenheimer 1732 in Wildbad dessen Neffen Karl Alexander kennen, der unter chronischem Geldmangel litt. Noch im selben Jahr ernannte dieser Joseph Süß Oppenheimer zu seinem Hof- und Kriegsfaktor.

Als Karl Alexander nach Eberhard Ludwigs Tod am 31. Oktober 1733 Herzog von Württemberg wurde, war dieser finanziell von Joseph Süß Oppenheimer derart abhängig geworden, dass er ihm einen weiten Entscheidungsspielraum in Wirtschafts- und Finanzfragen des Landes einräumte. 1736 wurde Joseph Süß Oppenheimer zum Geheimen Finanzrat und politischen Ratgeber des Herzogs berufen und stieg schnell weiter auf.

Um die ausufernden Finanzen des Landes mit dem absolutistischen Repräsentations- und Geldbedarf des Herzogs Karl Alexander in Einklang zu bringen, führte Joseph Süß Oppenheimer zahlreiche Neuerungen ein. Er gründete die erste Bank Württembergs, die er selbst betrieb. Er besteuerte Beamtenbezüge und verkaufte gegen hohe Gebühren Handelsrechte für Salz, Leder und Wein an Juden. Daneben handelte er mit Edelsteinen, Edelmetallen, pachtete die staatliche Münze, veranstaltete Lotterien und Glücksspiele und vermittelte in Rechtsstreitigkeiten.

Herzog Karl Alexander beschloss die von Joseph Süß Oppenheimer vorgeschlagenen Maßnahmen und Reformen in absolutistischer Machtvollkommenheit, ohne die Zustimmung der Landstände, obgleich diesen – nach der württembergischen Verfassung – das Recht der Steuerbewilligung zugestanden hätte. Vor dem Hintergrund der persönlichen Bereicherung Joseph Süß Oppenheimers und der rigiden Geld- und Steuerpolitik entwickelte sich massiver Widerstand seitens der heimischen Bevölkerung gegen Herzog Karl Alexander und vor allem Joseph Süß Oppenheimer.

Als Karl Alexander am 12. März 1737 durch einen Schlaganfall unerwartet starb, entlud sich der Unmut, und Oppenheimer wurde noch am selben Tag festgenommen. Gleich nach seiner Verhaftung wurde auch sein gesamtes Personal festgenommen, die Wohnung versiegelt, das Vermögen konfisziert und private und geschäftliche Schriftstücke beschlagnahmt. Die Anklage lautete auf Hochverrat, Majestätsbeleidigung, Beraubung der staatlichen Kassen, Amtshandel, Bestechlichkeit, Schändung der protestantischen Religion und sexuellen Umgang mit Christinnen.

Am 4. Februar 1738 wurde Joseph Süß Oppenheimer am Galgen gehenkt. Nach zeitgenössischen Quellen beobachtete eine große Anzahl von Menschen die Tötung auf dem Stuttgarter Hinrichtungsplatz, dem Stuttgarter Galgenberg oberhalb der Tunzenhofer Steige, wo heute der Südeingang zum Pragfriedhof liegt. Oppenheimers Leichnam wurde sechs Jahre lang in dem eisernen Käfig öffentlich zur Schau gestellt, erst 1744 ließ ihn Herzog Carl Eugen bei seinem Regierungsantritt abhängen und verscharren.

17 Mal bis zum 19. August wird „Das Vermögen des Herrn Süß“ auf der Freilichtbühne vor dem Wormser Dom zu sehen sein. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20.45 Uhr.

Die Nibelungenfestspiele bescheren der Stadt Worms einen jährlichen Millionenverlust. Mit dem ersparten Geld ließe sich einiges andere anstellen – auch in kultureller Hinsicht – wovon die Mehrheit der Wormser mehr profitieren könnte als eine Aufführung einer Zweigstelle der Bundeszentrale für politische Bildung .

infoportal24.org

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