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Gehen dann die Lichter aus? (von Michael Winkler)

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Griechenland hatte eine Experten-Regierung und Italien leidet ebenfalls unter einer solchen. Jetzt gerade, während ich diesen Text schreibe, sitzen die Politiker in Athen mit ihrem Staatspräsidenten zusammen, um über eine erneute Experten-Regierung zu verhandeln. Die Demokraten, die Parteibonzen, haben es nicht geschafft, sich untereinander zu einigen. Jetzt rufen sie, wie nach einer unglücklichen Schulhof-Rauferei, nach ihrem Papa.

Es ist bezeichnend und zugleich ein Armutszeugnis für den Dienstwagenadel, sich diese Expertise nicht zuzutrauen. Das Endstadium einer Parteiendemokratie, der Zerfall, wird durch den Mangel an Sachverstand beschleunigt. Ein Monarch, ein Diktator und sogar eine Einheitspartei wird Fachministerien mit Fachleuten besetzen, zumindest auf Beamtenebene. Günstlinge und verdiente Parteigenossen erhalten Orden und schöne Titel, werden aber auf Posten abgeschoben, auf denen sie keinen Schaden anrichten können.

In einer Demokratie – und nach einer Revolution – ist das anders. Die Griechen haben es etwas intensiver getrieben als die BRD, das Prinzip durch- und zersetzt jedoch alle Parteidemokratien. Zuallererst gilt das Gesetz der führenden Null, also des Ministers, der keine Ahnung hat, aber ein guter Parteisoldat ist. Er oder sie hat dem großen Genossen Parteivorsitzenden gute Dienste geleistet, und wenn der jetzt Kanzler oder Premierminister wird, bekommt der Parteisoldat sein Ämtchen. Natürlich gelten noch Hintergrundregeln. Bayern hat sieben Regierungsbezirke, aus jedem muß mindestens ein Minister kommen. Die Bundesregierung tariert zwischen Ost und West, evangelisch und katholisch, Arbeitern und Selbständigen, Männlein und Weiblein und den Landesverbänden der größten Regierungspartei.

Die führende Null gelangt auf den Chefsessel und sie sei konservativ. Ihrer eigenen Unfähigkeit bewußt, vertraut sie vor allem konservativen Parteigängern in ihrem Ministerium, die damit verbesserte Aufstiegschancen haben. Es ist nicht gut, dem Chef zu widersprechen, insbesondere, wenn man die besseren Argumente dank überlegener Fachkenntnisse vorbringt. Deshalb werden die Ja-Sager tendenziell schneller befördert als die Experten, die sich auskennen.

Lassen wir die Regierung wechseln, jetzt ist der Chef ein Sozialist. Der erkennt schnell, was in seinem Ministerium falsch gelaufen ist: die Parteigänger der Sozialisten warten alle auf ihre Beförderung. Dazu müssen ein paar Parteigänger der Konservativen aus dem Weg geräumt werden, sie werden auf unwichtige Posten abgeschoben. Mit ihnen geht die Erfahrung, die sie in den letzten Jahren gewonnen haben.

Natürlich hat der Chef das Recht, neue Posten für Parteifreunde zu schaffen. Ebenso natürlich sollen das keine Pöstchen sein, bei denen man von früh bis spät arbeiten muß und obendrein Fachkenntnisse erforderlich sind. Stellen Sie sich vor, Sie müßten den ganzen Tag Zeitungen lesen. Artikel, in denen Frauen besonders gut wegkommen, schneiden Sie aus und heften sie, fein säuberlich auf Papier geklebt, in einem Ordner ab. Artikel, in denen Frauen negativ dargestellt werden, sammeln sie ebenfalls und heften sie in einen zweiten Ordner. Lesen müssen Sie können, schreiben wäre ganz nützlich, mehr brauchen Sie nicht als Frauenbeauftragte.

Als Chef dürfen Sie noch viel mehr Leute „beauftragen“. Umwelt, Ausländer, Kinder, Kirchen – es gibt praktisch keinen Bereich, dem Sie nicht durch einen Beauftragten besonderes Interesse widmen können. Kampf-Lesben, die sich um die Gleichstellung mit männlichen Homosexuellen kümmern, sind ganz hervorragende Beauftragte. Die Krönung des Ganzen ist natürlich der Beauftragten-Beauftragte, der als leitender Beamter alle anderen Beauftragten beaufsichtigt. Und wenn Ihnen wirklich kein Beauftragter mehr einfällt, ernennen Sie künftig Koordinatoren.

Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Handwerksmeister. Sie sind 20 Jahre älter als Ihre Gesellen, und da Sie schon als Kind bei Ihrem Vater zugeschaut und gelegentlich ein wenig mit angefaßt haben, sind Sie ihnen um 30 Jahre Berufserfahrung voraus. Sie wissen vieles besser, doch sollte einmal ein Geselle einen besseren Vorschlag vorbringen, sind Sie souverän genug, um diesen Vorschlag zu akzeptieren und die bessere Idee anzuerkennen.

Nun stellen Sie sich vor, Sie seien Minister, so ein Jungspund aus der Merkel-Regierung. Die leitenden Ministerialbeamten sind allesamt 20 Jahre älter als Sie, und da Sie außer Parteipolitik nichts gelernt haben, sind die Ihnen um 30 Jahre an Lebens- und Berufserfahrung voraus. Sie haben zwei Möglichkeiten: Sie nehmen sich weise zurück, erledigen Ihre Hausaufgaben, arbeiten den Rückstand auf und werden wenigstens im Ansatz sachkompetent. Oder Sie legen den letzten Parteitagsbeschluß auf den Tisch und schikanieren die alten Säcke, bis die alles tun, was Sie möchten.

Andererseits, Sie sind ja kein Minister im Kabinett Merkel, denn dafür müßten Sie Parteifunktionär und Volldemokrat sein. Als langjähriger Leser dieser Texte wissen Sie außerdem, daß ich Volldemokrat schreibe, weil Vollidiot eine Beleidigung wäre. Als Volldemokrat in der BRD sind Sie natürlich bekennender Holocaust-Gläubiger. Daraus folgt, Sie haben als Minister nicht die Wahl, weise zu entscheiden. Das widerspricht Ihrer Natur, denn in die Ränge des Dienstwagen-Adels sind Sie aufgestiegen, weil Sie nicht weise, sondern Egoist und Terrorist in eigener Sache sind. Als solcher werden Sie folglich Ihre Mitarbeiter derart terrorisieren, daß diese zu konstruktiver Arbeit nicht mehr fähig sind. Falls diese endlich unter Burn-out leiden und um ihren Ruhestand bitten, ist wieder ein schöner Posten für einen Parteifreund freigeworden.

Die Seuche nimmt spätestens beim ersten Regierungswechsel ihren Anfang. Es gibt immer „Benachteiligte“, die zwar fleißig Wahlkampfplakate kleben können, aber sonst stinkfaule Dummköpfe sind, die bei einem Wechsel schleunigst auf eine angemessene Stelle befördert werden müssen. Jeder neue Minister bringt seine eigenen Günstlinge mit, die so ein Ministerium durchsetzen und damit lähmen. Eine Behörde in einer funktionierenden Parteiendemokratie sieht so aus: Ein Drittel Parteigänger des Chefs, frisch befördert, aber unfähig im Amt. Ein Drittel Parteigänger der vorherigen Regierung, ohne Aussicht auf Beförderung, unfähig im Amt und zu frustriert, um überhaupt etwas zu arbeiten. Das letzte Drittel sind neutrale Beamte, die alle Arbeiten erledigen, immer an allen Fehlern schuld sind, nur in Ausnahmefällen befördert werden und ansonsten die Tage bis zu ihrer Pensionierung zählen. Dieses letzte Drittel verfügt außerdem über mindestens 90% des Fachwissens und der Kompetenz in dieser Behörde.

Das Ergebnis sind große, überbesetzte Behörden, die in der Hauptsache sich selbst verwalten. Der Beamtenapparat aus Parteigängern und Ja-Sagern gebiert allenfalls Bürokratiemonster, keine Gesetze, die dem Land und dem Volk dienen. Vor allem die Beauftragten und Koordinatoren, deren Hobby zum Beruf erhoben wurde, glänzen durch unsinnige Vorschläge und von jeglicher Wirklichkeit unbeleckten Ansichten.

Das Endstadium der Parteien-Demokratie spült Leute wie den Freibaron Guttenberg nach oben. Der wußte nicht nur um seine eigene Inkompetenz, sondern auch um die seiner Beamten. Deshalb hat er für alle wichtigen Dinge externe Experten angeheuert, auch für seine Doktorarbeit und seine Autobiographie. Das werden andere Minister nun ebenfalls verstärkt praktizieren, denn ein paar richtige Entscheidungen zwischendurch verlängern die eigene Zugehörigkeit zum Dienstwagen-Adel.

Woran erkennt man einen Experten? Erst mal hat er studiert, natürlich in Oxford oder Harvard, schon Sankt Gallen ist bereits zu provinziell. Dann arbeitet er international, am besten für eine jüdische Anwaltskanzlei oder eine jüdische Großbank. Das hat den Vorteil, daß der Experte ein bekennender Holocaust-Gläubiger ist, der den Kampf gegen Rechts aufnimmt, mithin also kompatibel ist mit den Volldemokraten. Bei den Banken ist die allererste Adresse Goldman Sucks. Das sind jene, die sogar Staaten sagen können: „Ihr Geld ist nicht weg, das gehört jetzt bloß unserer Bank.“ Außerdem fordern diese Experten horrende Honorare. Ein Artikel wie dieser, den Sie gerade lesen, der Ihnen abgesehen vom Unterhaltungswert nichts bringt, hieße bei denen „Gutachten“ und kostet mindestens 150.425,- britische Pfund. 25 Pfund für den Praktikanten, der das Schreiben verfaßt hat, 400 Pfund pauschal für die Formatierung im Schreibbüro, den Ausdruck auf Papier mit Goldman-Sucks-Logo und die Zustellung, der kleine Rest geht an das Bankhaus, als „geschäftsanbahnende Zahlung“, damit sich die Bank überhaupt herabläßt, ein solches Gutachten zu verfassen.

Praktikanten von Goldman Sucks haben gegenüber Volksvertretern und Volldemokraten einige Vorteile. Erstens, sie können ganz offen für Goldman Sucks arbeiten. Zweitens, sie geben sich richtig Mühe, denn ein paar Milliarden für Goldman Sucks zu verdienen ist keine besondere Leistung. Nur dann, wenn es so aussieht, als sei es zum Wohl des Auftraggebers, daß Goldman Sucks ein paar Milliarden einstreicht, werden diese Praktikanten weiterhin beschäftigt. Drittens, die Praktikanten denken über alle Parteigrenzen hinweg an das Wohl von Goldman Sucks, sie sind also nicht an Parteitagsbeschlüsse von Delegierten gebunden, die keine Ahnung haben, wem die ganze Politik dienen soll. Viertens, sie verfügen über eine gewisse Sachkenntnis. Und fünftens, sie sind im Gegensatz zu Volldemokraten keine Profilneurotiker, weil sie als Praktikanten wissen, daß ihr Einsatzgruppenleiter den ganzen Ruhm für ihren Fleiß einstreichen wird.

Goldman Sucks glaubt, Gottes Werk zu tun. Aber die Bank ist nicht Gott und ihr Vorstandsvorsitzender auch nicht Gottes Stellvertreter auf Erden. Er ist weder in Glaubensfragen betreffend Baal Mammon noch in Geldgeschäften unfehlbar. Das heißt, nicht mal Goldman Sucks kann eine Parteien-Demokratie im Endstadium noch retten. Was die vorstehenden Experten und die arbeitenden Praktikanten jedoch können: sich möglichst große Anteile an der Konkursmasse sichern. Und anschließend gehen die Lichter aus.

Betrachten wir die EU, die G8 und die G20, die großen, alten und mächtigen Länder, so sehen wir eine informelle Gemeinschaft, von denen jeder Einzelne mehr oder weniger dicht am Staatsbankrott laviert. Japan oder USA, Großbritannien oder Frankreich – das sind alles Billionenschuldner, deren Souveränität bereits am Bankschalter verpfändet wurde. Auch Merkeldeutschland steht mit über zwei Billionen Euro in der Kreide, und gerade diese Kanzlerin, die mit „Tugenden der schwäbischen Hausfrau“ wirbt und den Ländern Europas einen Fiskalpakt aufgeschwatzt hat, steht für hemmungslose Ausweitung der Staatsschulden. Dabei hat gerade sie zu Beginn ihrer ersten Amtszeit die größte Steuererhöhung aller Zeiten beschlossen; Geld, das wir alle bezahlt haben, wurde einfach verpulvert und noch mehr Schulden angehäuft.

Die Geschichte von Baron Münchhausen, der sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen hat, funktioniert heute so: Der Staat gibt den notleidenden Banken Geld, damit diese dem Staat Geld leihen können. Ja, ja, das funktioniert prächtig. Wenn Europa Hunderte Milliarden „nach Griechenland“ schickt, so sieht der Spiros Normalgrieche davon keinen Cent. Das Geld wird bei den Großbanken als durchlaufender Posten auf dem Griechenland-Konto gebucht und gleich darauf an ein anderes Konto weitergeleitet. Damit werden griechische Altschulden getilgt und in Neuschulden umgewandelt, für die alle Länder der Eurozone bürgen, vor allem natürlich Deutschland. Geholfen wird damit keinem, außer natürlich Goldman Sucks und Komplizen.

Wenn die Volldemokraten nicht mehr weiter wissen, werden Experten geholt. Diese Experten heißen in der Realwirtschaft Konkursverwalter. Sie haben den Auftrag, das Land soweit wieder hinzubiegen, daß danach die Volldemokraten wieder übernehmen können. Anders als einem Konkursverwalter sind diesen Experten die Hände gebunden. Um ein Bild zu gebrauchen: der Kunde hat verfilztes Haar, 40 cm lang, voller Läuse und anderen netten Dingen. Die beste Lösung wäre ein Kahlschlag und das Zeug verbrennen, doch der Friseur darf noch nicht mal waschen, sondern nur die Spitzen ein wenig schneiden, auf 39,5 cm. Denn sonst gehen ja die Lichter aus…

Eine Revolutionsregierung würde reichlich Volldemokraten an die Wand stellen, die zwei Drittel der Parteibuchbeamten aus den Behörden prügeln, alle Beauftragten und Koordinatoren in resozialisierende Arbeitslager stecken und bei dem restlichen Drittel der Beamten genau hinschauen, wer brauchbar ist. Natürlich würden die Revolutionäre ihre eigenen verdienten Leute versorgen und so ihre Siegesdividende kassieren, also die Behörden wieder teilweise auffüllen. Am Ende sind die Wasserköpfe trotzdem halbiert bis geviertelt.

Ja, die Lichter gehen aus, wenn die Experten versagt haben. Das ist unvermeidlich. Wichtig ist aber nicht, daß sie ausgehen, sondern daß sie wieder angehen und das möglichst schnell. Goldman Sucks wird Oma Tüttelbek ausrauben, doch schuld daran sind nicht die Herren von Goldman Sucks, sondern Angela Merkel, Gerhard Schröder, Helmut Kohl – und mit ihnen alle Volldemokraten, die jemals in dieser BRD zum Dienstwagen-Adel gehört haben. Wenn eine Firma in die Pleite geht, ist daran nicht der Konkursverwalter schuld, sondern das vormalige Management.

Eine Firma verschwindet nach ihrem Bankrott in der Regel vom Markt, ein Staat hingegen besteht fort. Es gibt ein paar Gegenbeispiele, wie Schottland. Die Engländer haben durch die Jahrhunderte Kriege mit den Schotten geführt, und am Ende war es das schnöde Mammon, das die Schotten zu Großbritannien getrieben hat. Dort sind die Lichter wieder angegangen, und jetzt, wo England vor der Pleite steht, wird Schottland womöglich bald wieder frei sein.

Ja, ein Staatsbankrott ist ein Einschnitt, bei dem sich viele Dinge ändern werden. Und ja, da unser Geld keinen wirklichen Wert hat, sondern nur jenen Wert, den der Staat ihm zugeschrieben hat, geht das Papiergeld im Staatsbankrott unter. Vielleicht werden ein paar Leute aufgehängt oder anderweitig gelyncht, doch das hält sich in Grenzen. Danach geht es weiter, die Karten werden neu gemischt. Und die dümmsten aller Kälber werden danach die gleichen Metzger aufs Neue wählen, falls sie nicht dazulernen.

Übrigens, die Bildung einer Experten-Regierung in Griechenland ist gescheitert. Alle Zeichen stehen auf Neuwahlen.

Michael Winkler

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